Die Landeskirchen und wir ...

Freikirchen werden heute immer noch von vielen Menschen als "Sekte" betrachtet und dieser Begriff findet sich häufig mit unterschiedlichster Bedeutung ...
Wikipedia –
beispielsweise – bezeichnet eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft als Sekte und meint damit Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von „vorherrschenden Überzeugungen“ unterscheiden und oft im Konflikt mit ihnen stehen.
In erster Linie stehe Sekte
so Wikipedia – für eine von einer „Mutterreligion“ abgespaltene religiöse Gemeinschaft ...  
Ein Lexikon definiert das Wort Sekte
  als „eine Gemeinschaft von Gläubigen ausserhalb der Kirche“...  
Interessante Definitionen ... und dies' schon allein deshalb, weil damit unweigerlich die Frage ausgelöst wird : welche Mutterreligion, welche Kirche ?
Ist damit die römisch-katholische Kirche gemeint ? Demnach wäre die evangelische Kirche eine Sekte
! Das war ja bekanntlich auch die ursprüngliche, päpstliche Behauptung gegen die protestantische Bewegung, aus der später die evangelische Kirche hervorging. Irgendwann im Laufe der Geschichte wurde dann aus „dieser Sekte “ eine „annehmbare Kirche“ und die Schlecht-Macherei fand ein Ende !

Was meinen wir denn mit „ausserhalb der Kirche“ ...?
... etwa ausserhalb der sogenannten „Landeskirchen“ ? Wollen wir ernstlich behaupten, dass jeder Gläubige ausserhalb der Landeskirchen einer Sekte angehört ? Wie würde das wohl die anglikanische Gemeinschaft in England empfinden ? Man könnte natürlich vorbringen, dass sie die „Staatskirche“ in England und somit keine Sekte sei. Allerdings gibt es gerade in England sehr viele Kirchgemeinden ausserhalb der Staatskirche, die dort nicht als Sekte betrachtet werden.
Nun ; Tatsache ist doch, dass sich die allermeisten Christen auf dieser Welt „ausserhalb der Kirche“ befinden, wenn mit „die Kirche“ schweizerische, deutsche oder ganz generell „Landes- oder Staatskirchen“ gemeint sind. Dies führt uns zur unausweichlichen Frage ...

Was – oder besserwer ist ein Christ ?
Es ist wichtig zu verstehen, dass jemand nicht einfach Christ ist, weil er in ein „christliches Land“ oder in ein christliches Zuhause hineingeboren wurde. Niemand auf dieser Welt wird als Christ geboren ! Selbst wenn eine Person – feinfühlig und mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn – christlich, moralischen Werten nachlebt und christliche Lehren schätzt, macht das diese Person deshalb nicht zu einem Christen ...In der Bibel lesen wir, dass der Apostel Paulus im 2. Brief an die Korinther schreibt :

Ich weiss von einem Menschen in CHRISTUS, der vor 14 Jahren [ ob im Leib oder ob ausserhalb des Leibes - ich weiss es nicht ; GOTT weiss es ] bis in den dritten Himmel entrückt wurde ... und im Brief an die Römer lässt Paulus nicht weniger als siebenund-zwanzig Mitglieder der christlichen Gemeinschaft in Rom persönlich grüssen – einen jeden davon entweder mit in Christus Jesus oder in Christus oder im Herrn ...     nachzulesen in Römer 16 / 1 – 16 !

In Christus zu sein heisst, im Rahmen einer sehr engen, sehr persönlichen Beziehung mit IHM verbunden zu sein und JESUS selbst hat dies‘ mit seinem Gleichnis vom wahren Weinstock auch sehr deutlich gemacht ...

Bleibt in mir und ich in euch, sagte JESUS zu den zwölf Jüngern. Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Frucht hervorbringen ; sie muss am Weinstock bleiben. Genauso wenig könnt ihr Frucht hervorbringen, wenn ihr nicht in MIR bleibt. ICH bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in MIR bleibt und ICH in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht ; ohne MICH könnt ihr nichts tun ...       [ Johannes 15 / 4 f ]

Aus dieser bildlichen Rede geht eindeutig hervor : In Christus zu sein und zu bleiben heisst, in einer lebendigen, wachsenden Beziehung mit JESUS zu leben ... und in der Sprache des Neuen Testaments ist ein Mensch in Christus schlicht und ein­fach ein Christ – nicht mehr und nicht weniger ...

In CHRISTUS sein, im HERRN sein, mit JESUS vereint sein ist unverzichtbarer Bestandteil christ­licher Identität. Niemand kann ohne diese Identität Christ sein, auch wenn unsere Vorstel­lungen und Erfahrungen auseinandergehen mögen. Man kann Verständnis dafür aufbringen, dass man darüber redet, wie sich das „Christsein“ auf unser Leben auswirkt. Dass wir uns aber nach zweitausend Jahren immer noch darüber streiten, was einen Menschen überhaupt zum Christen macht, ist seltsam.

Die verschiedenen Kirchen mit ihren unterschiedlichen Traditionen beharren auf unterschiedliche Standpunkte. Die römisch-katholische und die orthodoxen Kirchen betonen die Notwendigkeit der Taufe und der Mitgliedschaft in einer historischen Konfession. Evangelische Christen unterstreichen die Notwendigkeit eines persönlichen Glaubensaktes als Antwort auf das Evangelium. Pfingstler berufen sich auf den Empfang des Heiligen Geistes. Anhänger einer eher liberalen Tradition sehen in JESUS im Grunde den, der für andere lebte ; für sie sind Werke der Barmherzigkeit sowie das Streben nach sozialer Gerechtigkeit die entscheidenden Merkmale echter JESUS-Nachfolge ...

Völlig unabhängig aller Wesensmerkmale dieser unterschiedlichen Glaubens-Gruppen sollte festgehalten werden, dass Christsein  – JESUS selbst und den Aposteln zufolge – nicht mit Getauft sein und nicht mit Kirchenmitgliedschaft gleichgesetzt werden darf ; nicht mit Zulassung zum Abendmahl, nicht mit einer Zustimmung zum apostolischen Glaubensbe­kenntnis und auch nicht mit dem Versuch, sich nach der Bergpredigt zu richten ! Dies‘ alles sind zwar unerlässliche Bestandteile eines Christenlebens, doch kommen sie, für sich allein betrachtet, einem leeren Schmuckkasten gleich, aus dem der Schmuck verschwunden ist ...

... der Schmuck ist JESUS CHRISTUS selbst !

Christ zu sein heisst in aller erster Linie, mit Jesus Christus ver­eint zu sein. Taufe, Glaube und Verhalten sowie alle grossartigen Segnungen, die diese Beziehung mit sich bringt, ergeben sich danach als ganz natürliche Fol­gen davon ...

 

teilweise Textausschnitte aus dem Buch
»JESUS - der Eine, den wir brauchen« von John Stott